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Biodiversitätsverlust in Deutschland

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17.5.2026
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In Deutschland liegen inzwischen eine Reihe wissenschaftlicher Erkenntnisse und politischer Bewertungen zu den ökonomischen Schäden durch den Rückgang der Biodiversität vor. Allerdings handelt es sich dabei selten um exakt bezifferte „Gesamtkosten“, sondern eher um Modellierungen, Einzelstudien zu Ökosystemleistungen und Bewertungen auf EU- oder Bundesebene, die auch auf Deutschland heruntergebrochen werden können.

Grundsätzlich basiert die ökonomische Betrachtung auf dem Konzept der sogenannten Ökosystemleistungen: Biodiversität sorgt unter anderem für Bestäubung, Bodenfruchtbarkeit, Wasserreinigung, Hochwasserschutz und Klimaregulation. Wenn Arten verschwinden oder Ökosysteme geschädigt werden, müssen diese Leistungen entweder technisch ersetzt werden – oder sie fallen ganz weg, was wirtschaftliche Folgekosten verursacht. In Deutschland wird diese Perspektive unter anderem vom Umweltbundesamt systematisch aufgegriffen.

Ein zentraler Befund aus neueren Auswertungen ist, dass insbesondere die Landwirtschaft stark betroffen ist. Der Rückgang von Bestäubern wie Wildbienen und Honigbienen führt beispielsweise zu messbaren Ertragsrisiken bei Obst-, Gemüse- und Ölsaatenkulturen. Studien im europäischen Kontext, die auch für Deutschland gelten, zeigen, dass der ökonomische Wert der Bestäubung in die Milliarden Euro pro Jahr geht, wobei ein Teil dieser Leistung bereits heute durch künstliche oder imkerliche Bestäubung kompensiert werden muss – allerdings nicht vollständig und oft mit steigenden Kosten.

Auch im Bereich Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft zeigen Untersuchungen, dass intakte Auen, Moore und Wälder eine wichtige Pufferfunktion haben. Wenn diese Ökosysteme degradiert werden, steigen die Kosten für technische Schutzmaßnahmen und Schadensbeseitigung. Das Umweltbundesamt weist in verschiedenen Szenarien darauf hin, dass der Verlust solcher Funktionen langfristig deutlich höhere Infrastruktur- und Versicherungskosten verursachen kann, insbesondere im Kontext zunehmender Extremwetterereignisse.

Auf europäischer Ebene, siehe auch die gestrige Ausgabe der Linde.online, liefern Studien der Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services eine wichtige Grundlage, die auch für Deutschland relevant ist. Der globale IPBES-Bericht von 2019 kommt zu dem Schluss, dass der weltweite Rückgang der Biodiversität bereits erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht und dass viele dieser Kosten bislang nicht in Marktpreisen enthalten sind. Für Deutschland bedeutet das vor allem: Die tatsächlichen volkswirtschaftlichen Verluste werden nur teilweise in klassischen Wirtschaftsstatistiken sichtbar.

Hinzu kommen Bewertungen im Rahmen der EU-Biodiversitätsstrategie, die auch vom Bundesumweltministerium übernommen werden. Dort wird betont, dass Investitionen in Naturschutz häufig ein deutlich günstigeres Verhältnis von Nutzen zu Kosten haben als der spätere Ersatz verlorener Naturleistungen. Beispiele sind Renaturierungen von Mooren, die sowohl Klimaschutzleistungen erbringen als auch langfristig Kosten durch CO₂-Emissionen vermeiden.

In der Forschung wird zunehmend versucht, konkrete Schadensspannen zu quantifizieren. Diese reichen – je nach Methode – von regionalen Ertragsverlusten in der Landwirtschaft über steigende Kosten für Wasseraufbereitung bis hin zu indirekten Effekten wie Wertverlusten von Immobilien in hochwassergefährdeten Gebieten. Gleichzeitig besteht jedoch weiterhin große Unsicherheit, weil viele Ökosystemleistungen nicht direkt über Märkte erfasst werden und sich daher nur schwer in Euro beziffern lassen.

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